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GesellschaftKolumbien

Kolumbien: Kinder überleben Flugzeugabsturz im Regenwald

18. Mai 2023

Ein Baby und drei Kinder vom indigenen Volk der Huitoto sind mehr als zwei Wochen nach einem Flugzeugabsturz im dichten kolumbianischen Amazonas-Regenwald geortet worden.

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Ein Mitarbeiter der Streitkräfte in Kolumbien sucht mit einem Hund im Regenwald nach Überlebenden eines Flugzeugabsturzes
Die kolumbianischen Streitkräfte suchten mit Spürhunden im Regenwald und entdeckten unter anderem eine Schere und ein Haarband auf dem Boden Bild: Colombian army/Handout/AFP

Die "Operation Hoffnung" habe ein glückliches Ende genommen: "Freude für das Land", twitterte Kolumbiens Präsident Gustavo Petro - und musste sich Stunden später für diese verfrühte Erfolgsmeldung entschuldigen. Denn die Kinder vom indigenen Volk der Huitoto, darunter ein elf Monate altes Baby, waren "nach mühsamer Suche durch unsere Streitkräfte" nicht wiedergefunden, sondern nur geortet worden.

Die Cessna 206 war am 1. Mai abgestürzt

Die Behörden haben mehr als 100 Soldaten und Spürhunde entsandt, um nach den Minderjährigen zu suchen. Diese saßen am 1. Mai in einer Cessna 206, die abstürzte. Drei erwachsene Insassen waren bei dem Absturz ums Leben gekommen, unter ihnen die Mutter der vier Kinder.

Die Rettungskräfte gehen davon aus, dass die vier, neun und 13 Jahre alten Kinder mit dem Baby seit dem Unglück durch den Dschungel im südlichen Departement Caqueta irren. Nach Angaben der Armee wurde an diesem Mittwochmorgen die Suche noch einmal intensiviert, nachdem die Helfer "einen improvisierten Unterstand aus Stöcken und Zweigen" entdeckten, was auf mindestens einen Überlebenden hindeutet.

Eine Schere und ein Haarband auf Fotos zu sehen

Auf Fotos, die von den Streitkräften veröffentlicht wurden, waren eine Schere und ein Haarband auf dem Boden des Urwaldes zu sehen. Zuvor hatten sie bereits ein Baby-Fläschchen und eine halb gegessene Frucht gefunden.

Am Montag und Dienstag hatten Soldaten die Leichen des Piloten und von zwei weiteren Erwachsenen gefunden. Sie waren mit den Kindern an Bord des Flugzeugs, das in San José del Guaviare gestartet war, einer der größeren Städte im kolumbianischen Amazonas-Regenwald.

Riesige Bäume, die bis zu 40 Meter hoch werden können, wilde Tiere und starke Regenfälle erschweren die Suchaktion mit dem Namen "Operation Hoffnung". Drei Hubschrauber sind eingesetzt - einer davon spielt per Lautsprecher eine von der Großmutter der Kinder in der Sprache der Huitoto gesprochene Botschaft ab: Sie fordert sie auf, sich nicht mehr von der Stelle zu bewegen, da nach ihnen gesucht werde.

Flugzeuge sind in der Region das Verkehrsmittel der Wahl

Die indigene Volksgruppe der Huitoto ist dafür bekannt, dass sie in Harmonie mit dem Urwald lebt, sowie für ihre Fähigkeiten bei der Jagd, beim Fischen und beim Sammeln wilder Früchte. Dies könnte den Kindern dabei geholfen haben, bislang mehr als zwei Wochen allein zu überleben.

Die Ursache für den Flugzeugabsturz ist weiter unklar. Der Pilot hatte Probleme mit dem Motor gemeldet, bevor die Maschine vom Radar verschwand, wie die kolumbianische Katastrophenschutzbehörde mitteilte. In der Region gibt es nur wenige Straßen und auch der Zugang über Flüsse ist schwierig, weshalb Flugzeuge ein bevorzugtes Verkehrsmittel sind.

pg/qu/ack (afp, dpae, rtre)