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Kunst

Wie ein Zwilling von Michelangelos David

Brenda Haas
18. April 2021

Es ist eine ungewöhnliche Nachahmung des bekannten Meisterwerks der Renaissance. Michelangelos David wird auf der Expo in Dubai als Digitalkopie enthüllt.

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Kopf der 3D-Kopie von Michelangelos Statue David
Dieser 3D-Nachdruck von Michelangelos David ist vom Original nicht zu unterscheiden, oder?Bild: CARLO BRESSAN/AFP

Eine der berühmtesten Skulpturen der Renaissance - Michelangelos David - bekommt jetzt einen Zwilling aus Kunstharz aus dem 3D-Drucker, der allerdings im 21. Jahrhundert geboren ist. Die Replik der 5,2 Meter hohen Skulptur wurde mit modernsten 3D-Technologien erstellt, alle Details des Marmor-Originals von Meister Michelangelo wurden präzise nachgeahmt. Die Statue wird als das Herzstück des Italien-Pavillons auf der Expo 2020 (wegen Corona auf dieses Jahr verschoben, Anm. d. Red.) in Dubai im Oktober 2021 präsentiert werden.

Der Dubai-David bringt - inklusive Sockel - 550 Kilogramm auf die Waage und ist damit zehnmal leichter als sein älterer Bruder. "Diese Technologie verbindet unser historisches Gedächtnis mit unserem künftigen Gedächtnis", so der italienische Generalkommissar für die Expo, Paolo Glisenti, gegenüber der New York Times. "Geschichte und Innovation - das sind die Themen, die uns interessieren."

Michelangelo Davis ist die erste kolossale Statue, die nach der Antike fertiggestellt wurde. Cecilie Hollberg, die deutsche Direktorin der Galleria dell'Accademia in Florenz - wo die Skulptur seit 1873 steht - beschreibt ihn als ein Symbol für Unabhängigkeit, Schönheit und Stärke. "Was wäre denn besser geeignet, um nach Corona Italien, aber auch die Wiedergeburt der Welt, zu repräsentieren?", sagte sie der New York Times.

 Die Statue David von Michelangelo in Florenz
Vor Corona lockte David täglich tausende Besucher nach FlorenzBild: picture-alliance/dpa/M. Gambarini

"Eigentlich zu viele Mängel"

Michelangelo schuf seine Statue irgendwann zwischen 1501 und 1504 aus einem einzigen Block Carrara-Marmor. Die Skulptur soll den biblischen Helden David darstellen, der den Riesen Goliath erschlägt. Doch der Marmorblock lag ganze 25 Jahre lang im Hof der Opera del Duomo, weil die beiden ursprünglich beauftragten Künstler für das Werk wohl der Meinung waren, dass der Marmor eigentlich zu viele Mängel aufwies. Sie bezweifelten, dass der Stein der Zeit standhalten würde.

Michelangelo war gerade 26 Jahre alt, als er die Aufgabe übernahm - der Rest ist Geschichte. Rund zwölf Monate hat es dann 500 Jahre später gedauert, den "David 2.0" herzustellen. Daran waren mehrere Ingenieure, Techniker, Restauratoren und Kunsthandwerker beteiligt.

3D-Technik mit viel Seele

Nicola Salvioli, der die Gruppe der Restauratoren leitete, erklärte, dass all "die Risse, Brüche, Flecken, Abschürfungen, die mehr oder weniger glatten Stellen" des steinernen Originals auch auf die 3D-Drucke übertragen wurden, "um dem, was in Wirklichkeit eine digitale Kopie ist, eine Seele zu geben".

Ein Arbeiter berührt den Kopf der 3D-Kopie von Michelangelos David
Beim Erstellen der 3D-Replik wurde mit viel Liebe zum Detail gearbeitetBild: CARLO BRESSAN/AFP

An digitalisierten Kopien von David versuchte man sich bereits 1997, als die Stanford University und die University of Washington an der Weiterentwicklung der 3D-Scan-Technologie experimentierten - doch ohne den aktuellen Erfolg. Von David gibt es tatsächllich weltweit so viele Repliken, dass die Liste ihre eigene Wikipedia-Seite hat; dennoch ist dies die erste Kopie, die von der Galleria dell'Accademia in Florenz auch autorisiert wurde. 2017 hatte das Museum einen wichtigen Urheberrechtsstreit um seine Top-Touristenattraktion gewinnen können: Ein Reiseveranstalter hatte ohne Erlaubnis mit dem Bildnis Davids geworben.

3D-Kopie von Michelangelos David in Kästen
So wird der neue David verpackt, bevor es ab nach Dubai gehtBild: CARLO BRESSAN/AFP

Kopien dürfen also eigentlich nicht hergestellt werden. Auf die Frage nach den zahllosen David-Souvenirs, die in Florenz trotzdem verkauft werden, antwortete Cecilie Hollberg dementsprechend, dass diese im Prinzip nicht rechtens seien: "Aber es ist sehr schwer, das Ganze wirklich zu unterbinden."

Auch für den Film "Alien: Covenant" aus dem Jahr 2017, in dem ein von Michael Fassbender gespielter Androide nach der Skulptur von David benannt ist, wurde bereits eine maßstabsgetreue Kopie angefertigt. Die allerdings beruhte auf einer bereits existierenden Replik - nämlich aus dem Victoria uand Albert Museum in London.

Das Original und seine Kopie

Der Künstler, Schriftsteller und Historiker Giorgio Vasari schrieb einst, dass "kein anderes Kunstwerk David in irgendeiner Hinsicht ebenbürtig" sei. Doch würde Vasari seine Meinung ändern, nachdem nun eine wohl überzeugende Kopie des Meisterwerks von einer Maschine nachgebaut wurde?

"Keine Kopie könnte das Pathos des Originals einfangen", so Hollberg gegenüber der italienischen Tageszeitung Corriere della Sera. Während der Zwilling noch in diesem Monat von Mailand nach Dubai fliegt, wird der Original-David fürs Erste wohl in Florenz bleiben - vor allem in der Hoffnung, nach der Corona-Pandemie wieder Touristen begrüßen zu dürfen.

Adaption ins Deutsche: Sertan Sanderson